Ein Beitrag voller Vernunft, Ajax!
Irrationale Frontenbildung - von beiden Seiten - ist eine ärgerliche Sache, gerade hier im Kreis von "Interessenfreunden", weil sie sowohl den gegenseitigen Respekt untergräbt als auch - ganz nüchtern gesehen - das Lernen behindert, das für mich zumindest immer auch ein Grund ist, mich hier mit anderen auszutauschen.
Aus der neutralen Perspektive eines Anwenders, der als "Tactical-Freund" und -nutzer das Unverständnis einiger Leute für das Bevorzugen robuster Messer mit teilweise militärischem Erscheinungsbild nicht teilt, aber auch keine ausgeprägte emotionale Bindung zu bestimmten Marken unterhält, sehe ich gerade im TF Euer Strider-Unterforum mit viel Sympathie, weil es doch überwiegend sachorientiert seinen Themenbereich beleuchtet und durchaus sowohl selbst kritikfähig ist als auch sachliche Fremdkritik gelassen und interessiert zuläßt. Das kenne ich auch anders.
ÜBERWIEGEND, weil natürlich in unserem Interessengebiet auch eine Portion persönlicher Vorliebe, Freude an bestimmten Erscheinungsbildern usw. in unsere Bewertungen hineinspielt, die nicht bis in den letzten Winkel rational auszuleuchten ist. Ja, verdammt, wo ist das denn anders??? Sind wir hier beim TÜV oder einem Gerichtsgutachter?? Es ist doch auch völlig legitim, ein romantisches Leuchten für ein Scagel in die Augen zu kriegen, oder meinetwegen für ein Custom-Damastmesser eines hochgeschätzten Machers.
Strider-Freunde als dumpfe Möchtegern-Rambos abzuqualifizieren, geht eindeutig am Thema vorbei: Es gibt eine Ästhetik des Funktionalen - unter diesem Aspekt sind zweifellos einige Strider-Gestaltungen bemerkenswert gelungen. Ich lasse mir also von niemandem vorschreiben, daß gefälligst nur Scrimshaw schön zu sein hat - und mache mich ja auch nicht lustig über Leute, die es ästhetisch finden, geschnitzte Meeressäuger-Penisknochen zu befummeln.
Abgesehen davon, gibt es insbesondere im Strider-Custom-Bereich einige Gestaltungen, die über den funktionalen Aspekt hinaus von der Formgebung her wunderbar sind, zumindest für mich - von Schliffen wie dem Nightmare-Grind bis zu Klingestaltungen wie dem kleinen Dwyer DM oder dem wunderschönen Ajax Leonidas. Zudem liefern viele Modelle einen innovativen Anschub - selbst wenn sie bestimmte Gestaltungen nicht erstmals verwenden, ist die Gesamtwirkung sehr gut und die Verbreitung der dahinterstehenden Idee durch die Bekanntheit der Marke gepusht.
Eine gewisse Bewunderung für diese Modelle hat nichts damit zu tun, daß man sich dann automatisch so fühlt wie irgendwelche Superhelden oder Elitekämpfer irgendwelcher amerikanischen Spezial-Spezial-Super-Sondereinheiten.
Wo sich - anders herum - entsprechende Fans dann demgemäß "versteigen", find ich das natürlich auch ein wenig lustig, man muß hier allerdings sehen, daß Strider damit im Kreise amerikanischer Mitbewerber keineswegs allein steht und - im Vergleich mit markigen Werbesprüchen wie bei TOPS, Cold Steel oder - fast unübertrefflich - Dark Ops - da keineswegs eine besonders exponierte Rolle spielt. Übrigens funktioniert der Großteil unserer gesamten Werbung ganz ähnlich, wenn man mal etwas genauer hinschaut.
Natürlich ist es unsinnig, bestimmten Messern nur dank ihrer Herkunft aus einer Firma mit Führungspersonen mit (spezial-)militärischer Vergangenheit sozusagen magische Wirkungen zu unterstellen. Es ist sogar unsinnig, auch nur anzunehmen, daß sie allein dieser militärische Background dazu qualifiziert, besonders gute Messer zu entwerfen. Das ist etwa so, als würde man jedem Orchestermusiker unterstellen, er können Symphonien wie Mozart komponieren...Umso ärgerlicher ist die ganz hysterische Auseinandersetzung um Einheiten, Dienstzeiten usw., die seit geraumer Zeit in USA zwischen Strider-Fans und -hassern stattfindet. Aber dann macht es andererseits natürlich überhaupt keinen Sinn, jemandem seine fachliche Reputation als Messerdesigner nehmen zu wollen, indem man solche Dinge in Frage stellt....
Dumpf, oberflächlich, unsachlich - meinetwegen könnte Mick Strider 160 Kilo wiegen und noch nie eine Schußwaffe in der Hand gehabt haben. MIR ist auch wurscht, ob er Autos beschafft oder gestohlen hat oder überhaupt eins fahren kann - der Mann macht jedenfalls SEHR interessante Messer.
Aber was ich hier im Forum finde, ist ja NICHT der Hype, die blinde Heldenverehrung oder eine von technischer Beschaffenheit völlig losgelöste Glorifizierung. Dabei finde ich es völlig in Ordnung zuzugeben, daß man bestimmte Messer einfach mag - und meinetwegen bereit ist, dafür auch einiges Geld auszugeben.
Dass das dazu führt, ggf. zu nehmen, was einem "vorgesetzt" wird, oder jahrelang auf bestimmte Modelle zu warten usw., würde ich selbst nicht mitmachen, mache mich aber auch nicht lustig darüber. Ich hab selbst übrigens auch zwei Jahre auf meine OG-Ausführung des ER Shrapnel gewartet und bin ziemlich lange um mein Nemesis rumgeschlichen, bis ich endlich "zugeschlagen" habe.
ICH hab mir vor kurzem mein erstes Strider gekauft (WP Recurve G10) , aus einem ganz prosaischen Grund: es war ein Vernunftkauf.
Einige Modelle würde ICH mir zu den jeweiligen Preisen nicht kaufen, aber wiederum andere Leute würden auch keine 380 Euro für einen Suppressor ausgeben, und wieder andere kämen nie auf die Idee, für irgendein Messer überhaupt mehr als ein paar Euro auszugeben.
Den Umgang mit den verschieden "objets du desir" und ihren jeweiligen Gemeinde hier im Forum finde ich sehr angenehm - wir sollten alle versuchen, uns das so zu erhalten. Viele von uns kennen es ja auch ganz anders.
MIR imponiert an Strider der gestalterische Anschub in dem Bereich von Messern, der mich auch am meisten anspricht.